Ich erhielt eine defekte Rancilio Espressomaschine zur Reparatur. Die Fehlerbeschreibung war, dass sie den Fehlerstrom-Schutzschalter (auch gern als Hauptschalter bezeichnet) auslöst, sobald sie eingesteckt wird. Diesen Fehler kannte ich ja bereits von der ersten Rancilio, die ich Heizung repariert habe.
Die Eingangsmessung
Als Erstes habe ich eine Eingangsmessung vorgenommen mit dem Ergebnis, dass der Ableitstrom und die Isolation tief Rot waren.
So kam die Rancilio Miss Silvia E anMessung der sicherheitsrelevanten Daten
Als Nächstes habe ich die obere Abdeckung abgeschraubt. Unter den Schrauben sah man noch die original Schutzfolie. Schade ist, dass Rancilio diese Bereiche nicht vorher ausstanzt, denn kein Kunde löst die Schrauben, um die Folienreste zu entfernen.
Hier sieht man noch die Reste der Schutzfolie unter den Schrauben
Schließlich habe ich noch eine Messung mit abgeklemmter Heizung gemacht, die zeigte, dass Alles in Ordnung war. Diese Messung bestätigte mir, dass die Rancilio Heizung fehlerhaft ist. Um diese auszubauen, habe ich die Leitungen oben am Boiler entfernt so wie Wasser- und Dampfanschlüsse abgeschraubt.
Demontage des Boilers
Nachdem ich alle Anschlüsse am Boiler entfernt hatte, konnten die Boiler-Schrauben gelöst werden. Wieder kam mir dabei ein Schwall Wasser entgegen, der auch mein Werkzeug unter Wasser gesetzt hat. Erschreckend war, dass im Kessel enorm viel Kalk oder ähnliche Ablagerungen waren. Dies wunderte mich insofern, als dass der Besitzer der Rancilio mir gesagt hatte, dass er immer nur gekauftes Wasser in die Maschine gefüllt hatte. Ich hatte dies jedoch auch bereits von einem Bekannten gehört, der auch sehr viel Kalk in der Maschine hatte, obwohl er immer nur gekauftes, also Flaschenwasser nutzt. Maschinen die mit gefiltertem Leitungswasser betrieben werden, sehen nicht so schlimm aus. Da stelle ich mir die Frage, ob denn wirklich so viel Kalk im Flaschenwasser ist oder die Ablagerung auf andere Inhaltsstoffe im Flaschenwasser zurückzuführen ist?
Überraschend, was so alles in einem Boiler zu finden ist
Am Ende habe ich dann noch die Heizung ausgebaut und das defekte 165 C° Thermostat abgeschraubt. Schließlich habe ich die benötigten Ersatzteile, also Heizung, Boiler-Dichtung und Thermostat bestellt. Wenn diese da sind, kann wieder alles zusammen gebaut und getestet werden.
Die Ersatzteile sind da
Die Ersatzteile hatte ich Montag morgen beim Espressomaschinendoctor bestellt und sie waren schon am Dienstag Abend da. Da ich spät von der Arbeit kam, ging es auch spät weiter mit dem Zusammenbau. Morgen führe ich dann den Test durch.
Der erste Test ist die Isolations- und Ableitstrom-Messung. Da beide Werte in Ordnung waren, konnte ich den Wassertank befüllen und die Maschine einschalten. Das Wasser im Boiler wurde warm und auch bei Einstellung der Dampftemperatur blieb alles dicht. Als Letztes entkalke ich die Maschine noch und schraube sie wieder zu.
Die reparierte Rancilio Miss Silvia E
Das war wieder eine erfolgreiche Reparatur einer Rancilio Silvia, die laut Typenschild den schönen neuen Namen „Miss Silvia E“ trägt. Erfreulich ist auch, dass die Lieferung der Ersatzteile so schnell erfolgte. Natürlich habe ich auch noch einen Espresso zubereitet, der perfekte Crema hatte und gut schmeckte. Nun kann der Besitzer sich wieder an seiner nun nicht mehr defekten Rancilio erfreuen!
Heute fand eine Pfaff 362 den Weg zu mir. Die Maschine verfügt über keinerlei Elektronik. Na ja, einige Kondensatoren sind vorhanden, aber es gibt einen Schalter für das Nählicht und dieser Nählichtschalter ist defekt. Pfaff 362 Nählicht Schalter defekt
Die Maschine bei ihrer Ankunft. Rechts unten im Bild der defekte Schalter.
Somit lässt sich das Licht nicht einschalten, aber das Nähen geht problemlos.
Der defekte Druckstift des Schalters im Detail.
Also öffne ich die Maschine an der Seite, um mal zu sehen, wie man an den Schalter herankommen kann. Es zeigt sich: Auch die vier Schrauben, die die Bodenplatte fixieren, auf der der Motor montiert ist, müssen gelöst werden. Dann ist der Schalter zu erreichen, der in einer Kunststoff- Ummantelung untergebracht ist. Von außen ist der Schalter nicht nur durch seine Schalterglocke gesichert, sondern erst einmal durch einen Gewindering, der den Schalter fixiert – und darüber ist die Schalterglocke aufgeschraubt.
Lösen der Schaltermutter des defekten Schalters.
Als Ersatz für den defekten Nählicht Schalter verwende ich einen Tischlampen-Druckschalter, der 1A und 250V schalten kann. Der Schalter ist kleiner als der Originalschalter. Die Schalterglocke muss ca. zwei Millimeter gekürzt werden, da sonst der Druckstift nicht mehr weit genug heraus schaut.
Links der originale defekte Schalter, rechts der Ersatzschalter.
Alles wieder zusammengebaut und angeschlossen, kurz den Fußtaster betätigt, um zu sehen, ob sie näht, dann das Nählicht eingeschaltet und „buff“: Leuchtmittel defekt. Das ist dieser B15-Sockel mit Bajonett-Arretierung und Fußkontakten, 15W/ 220V. Die habe ich natürlich nicht, repariere ich doch für gewöhnlich Elektronik. Der Nähladen um die Ecke hatte auch keine Ersatzleuchte und so heißt es also warten, bis Ersatz da ist.
Der neue Schalter ist eingebaut.
Nun wird es also noch einige Tage dauern, bis eine Leuchte kommt, soll diese eigentlich LED oder klassisch sein?
…
Update:
Die Leuchte ist da, B15 Sockel LED 2W. Das Leuchtmittel eingesetzt und erfolgreich getestet. Kurz noch genäht, um zu sehen, ob da alles in Ordnung ist. Nun kann die Pfaff 362 wieder zurück zu ihrer Besitzerin http://blaubach22.de/. Zu dieser Pfaff möchte ich noch sagen: Sie ist trotz ihres Alters in einem hervorragenden Zustand. Beim Öffnen war überall zu sehen, dass die Maschine gut geschmiert ist, was sich auch an ihrer Laufruhe zeigt.
Nachdem ich die Pfaff 7550 gereinigt und geölt hatte, ging es an den Probelauf. Bei den ersten Standardstichen – gerade und Zickzack – sah es fast gut aus. Bei großen Stichlängen gibt es dann noch ein deutliches Problem, da werden Schlaufen auf der Stoffunterseite durch den Oberfaden gebildet. Vermutlich ist das aber ein mechanisches Problem.
Wäre ich doch Nähmaschinenmechaniker
Ich denke dann immer, es wäre gut, mit einen Nähmaschinenmechaniker zusammenzuarbeiten, der vermutlich direkt weiß, woher der Fehler mit den Schlaufen kommt. Es wurden also wieder Abende und ein Wochenende des Nachdenkens und Suchens nach dem Fehler. Ich möchte auch gern die komplexe Mechanik der Nähmaschinen besser verstehen. Was mich immer wieder beeindruckt, ist, dass hier, zum Beispiel beim Transporteur, mit Größen wie 0,3 mm +/- 0,02 mm gemessen wird, um ihn richtig einzustellen. So kleine Toleranzen gibt es auch beim Motorrad, daher habe ich natürlich eine Fühlerlehre aber die ist bei einer Nähmaschine schlicht zu groß.
So schlimm war die Schlaufenbildung des Oberfadens an der Unterseite
Nun aber zurück zum Problem, der Schlaufen auf der Stoffunterseite. Erst habe ich das richtige Einfädeln mehrfach geprüft. Auch die Federspannungs-Mechanik habe ich sehr sorgfältig gereinigt. Dennoch wurden die Schlaufen deutlich größer bei einer Vergrößerung der Stichlänge.
Nachdem ich sicher war, dass der Fadenspannungs-Mechanismus sauber und frei von Fremdpartikeln ist und auch der Faden so stark gespannt werden konnte, dass er abreißt, ging die Suche weiter. Der Greifer, welcher nach meinem Verständnis den Oberfaden von oben holte, bildet eine Schlaufe, die dann zugezogen wird. Wenn hier zu viel Faden ankommt oder zu wenig wieder hoch gezogen wird, bilden sich Schlaufen auf der Unterseite. Also habe ich die Greifer-Einstellungen überprüft, wieder Maße wie 0,5 mm Abstand und 0,05 mm, die ich nur mit Hilfe eine Fühlerlehre prüfen konnte.
Auch die Greifer Einstellung sah gut aus und so habe ich wieder „DuckDuckGo“ bemüht und auf Webseiten gelesen und immer wieder war es die Fadenspannung, dazwischen habe ich immer mal wieder am Handrad gedreht und mir die Schlaufenbildung angeschaut. Dabei fiel mir in der Ruhe des späten Abends auf, dass es ein klackendes Geräusch gab bei jeder Umdrehung des Spulenkapselhalters.
Fehler gefunden
Also den Faden wieder herausgenommen, angeschaut und mal ohne Nadel und Faden gedreht. Das leise Klacken war immer noch da. Da habe ich mich erinnert im Nähmaschinentechnik-Forum, gelesen zu haben, dass ein Tropfen Öl am Spulenkapselhalter sinnvoll sein kann, aber nur ein Tropfen und das mit meiner Monster-Ölkanne. Also geölt und – siehe da – es wurde ruhig und anschließendes Nähen war schlaufenfrei! Juhu, das war eine Freude, endlich auch eine intakte Mechanik.
Die Spulenkapsel
Reümee
So eine Reparatur ist wirklich zeitintensiv und kann sicher nur aus Lust und mit Leidenschaft erfolgen. Was mir wirklich fehlt, sind Einstelllehren oder erst mal schlankere Fühler-lehren. Die, die ich habe, ist zu breit, um zum Beispiel den Transporteur zu vermessen. Und das original Pfaff Werkzeug wie die Einstelllehre 63-114690-23 zu haben, wäre natürlich ganz große Klasse.
Vor einiger Zeit wurde ich über die Website angefragt, ob ich wüsste, um was für einen Fehler es sich hier handeln könne. Die Fehlerbeschreibung war wie folgt: Es sei bei der Pfaff7550 keine Zickzack- und keine Stichlängen-Einstellung mehr möglich. Außerdem läuft die Maschine einfach weiter wenn die Nadel Unten Taste betätigt wird. Das nähen kann dann nur noch über den Ein/Aus Schalter beendet werden. Aus solchen Beschreibungen lässt sich nicht wirklich ein Fehler bestimmen. Es ist lediglich wahrscheinlich, dass es ein elektronischer Defekt ist.
So sieht sie aus, die schöne Pfaff Creative 7550
Die Pfaff sieht recht gut aus, gar nicht so arg gebraucht, da liegt der Verdacht nahe, dass die Kondensatoren defekt sind. Also erst mal alles ausprobiert und folgendes festgestellt: Die Stichlänge ist nicht verstellbar, es ist kein Zickzack-Stich möglich. Dann fiel noch auf, dass sie höchstens mit halber Geschwindigkeit lief, auch bei durchgetretenem Pedal.
Überprüfen des Pedals
Besonders spooky finde ich, dass die Maschine wirklich weiter näht, wenn die „Nadel unten“ – Taste betätigt ist und das Pedal nicht mehr getreten wird. Da hilft, wie beschrieben, nur noch das Ausschalten der Paff 7550. Das Pedal ist recht hackelig und da liegt es nahe, dass dort vielleicht etwas klemmt und darum die Fahrt immer weiter geht. Auch die geringe Maximalgeschwindigkeit kann ebenso ein Fehler im Pedal sein. Also habe ich das Pedal nachgesehen. Der Kohlestift und auch die Laufbahn des Kohlestiftes sehen gut aus und die Hackeligkeit der Pedal-Mechanik lässt sich mit etwas Silikonfett beheben. Der Fehler besteht weiterhin, keine Zickzack- und keine Stichlängen-Einstellung. Nur lässt sich das Pedal schon sanfter betätigen.
Das Pedal. Hier ist die Laufbahn des Kohlestifts zu sehen
Somit war es klar, dass ein Fehler in der Elektronik bestehen musste. Ich habe die Pfaff 7550 aufgeschraubt und die Platine in Augenschein genommen. Natürlich hatten zahlreiche Kondensatoren leichten grünen Auswuchs unten.
Versorgunsspannung
Ein Messen der Spannung zeigt, dass die 5V nicht sauber sind, die Spannung auch nur bei 4,5 Volt lag. Der Spannungsregler wird sehr warm. Darauf hin habe ich erst mal die Kondensatoren ausgelötet, die im 5V Zweig liegen. Dabei habe ich auf der Platine gesehen, dass da vielleicht mal Feuchtigkeit dran war. Ob die Feuchtigkeit durch betauen oder was anderes verursacht wurde ist unklar. Im oberen Teil der Maschine hatte ich schon Rost gesehen und an einigen Stellen war etwas klebriges, vielleicht Cola? Der Spannungsregler wurde weiterhin sehr warm, obwohl keine Lasten an lagen.
Der Austausch des Reglers brachte dann Erfolg, die 5V konnten wieder hergestellt werden. Die Feuchtigkeit mag die Ursache für einen Kurzschluss des Reglers , der zu Schaden führt. Umso überraschender war, dass die Fehler immer noch alle vorhanden waren, keine Zickzack- und keine Stichlängen-Einstellung sowie das weiter laufen bei „Nadel Unten“ Taste.
Dieses Teil ist von der oberen rechten Kante und sehr klebrig
Die Suche geht weiter
Ich habe erst mal die bekannten Signale in der Eingangsbeschaltung gemessen, um zu sehen, ob die Pedal-Informationen ordentlich weitergeleitet werden. Das war der Fall, es ist also auszuschließen, dass es ein Fehler wie in der letzten Maschine ist. Die Messarbeit erstreckte sich über zahlreiche Abende. Die Platine ist komplex sie ist mit Mikrocontroller, EPROM, RAM, ASIC, zahlreichen OP’s und Logik-Gattern bestückt. Natürlich habe ich auch den Motor außerhalb der der Maschine getestet, um sicher zu gehen, dass die langsame Fahrt nicht hier ihre Ursache hat. Dazu habe ich mir erst mal eine kleine Ansteuerschaltung gebaut, mit der ich den Motor wie in der Maschine einspeisen kann. Natürlich habe ich auch mal wieder im Nähmaschinentechnik- Forum gelesen was mich aber auch nicht so richtig weiter brachte.
Endlich, dem Fehler auf der Spur
Irgendwann kam ich dem Fehler dann doch auf die Spur: Das Synchronizer – Signal war fehlerhaft. Hier hat es dann noch einmal etwas Zeit in Anspruch genommen, den Fehlerverursacher zu finden; es war ein defekter Pegelwandler – Baustein. Das ein Pegelwandler defekt ist, überrascht mich. Es kann vermutlich nur durch Wärme, eine zu hohe Spannung oder einen Kurzschluss passieren sein. Wenn die Maschine Feuchtigkeit ausgesetzt war oder Flüssigkeit rein gekommen ist, kann das natürlich sein.
Eine Nadel oder so was habe ich nicht in der Maschine gefunden welche ja auch schnell zu eine Kurzschluss führen. Ich habe den Pegelwandler ausgetauscht, dann wieder alles soweit zusammengebaut, sodass die Maschine sich testen ließ. Ja und sie funktioniert wieder.
Abschließend lässt sich sagen: Es gab mehrere Fehler, einen Fehler in der Spannungsversorgung, ein defektes Gatter und zahlreiche alte Kondensatoren was dazu führte das keine Zickzack- und keine Stichlängen-Einstellung möglich war.
Oszillogramm eines nicht korrekten Signals
Die Maschine Läuft wieder
Jetzt, da die Maschine wieder läuft, war festzustellen, dass sie auch mal etwas Öl braucht. Eine Reinigung ist auch notwendig, den sie ist staubig, nicht vom Nähen, sondern vom Eingelagert sein. Jetzt schnurrt sie wieder schön und näht auch wieder alles, vorwärts, rückwärts, Zickzack, Stichlängeneinstellung und diverse Muster. Das heißt, auch alle Servomotoren und deren Treiber sind in Ordnung.
Eigentlich schade, hatte ich mir doch schon bei einer der letzten Reparaturen eine Testschaltung für Stepper aufgebaut. Auch habe ich – inspiriert durch die letzten Reparaturen – eine kleine Poti-Schaltung mit On/Off Schalter gebaut, um das Pedal zu ersetzen. Größte Herausforderung dabei war, einen passenden Klinken Stecker zu finden. Der Klinken Stecker muß schlank genug sein, um in den Ausschnitt für die Pedal Buchse zu passen. Den hatte ich glücklicherweise von einer alten Wechselsprechanlage irgendwann mal abgeschnitten und eingelagert.
Flachbandstecker-Sockel, wie werden die genannt?
Frage am meine Leser
Wer kann mir sagen, was das für Flachbandkabel Stecker-Sockel sind, die in der Pfaff verwendet werden. Für Testaufbauten brauche ich diese. Es ginge auch eine alte Platine, auf der die Kontakte verbaut sind.. Wie ich überhaupt gern eine komplette Elektronik hätte, das wäre gut für Referenzmessungen. Wenn irgendwo noch eine defekte Pfaff 7550 oder Pfaff 7570 steht und nicht mehr gebraucht wird, dann macht mir bitte ein Angebot!
Beim Einwohnermeldeamt war es im Übrigen echt lustig. Als ich endlich an der Reihe bin, fragt die zuständige Sachbearbeiterin vom Amt mich, ob ich neue Ausweise wolle, was ich bejahe und meinen Reisepass hinhalte. Da schaut die Mitarbeiterin erst in ihren Computer, dann mich verwirrt an und sagt: „Sie haben die Ausweise doch nie erhalten“. Ich gucke nun ebenfalls verwirrt, sage: „Sie sehen doch: Ich habe den Reisepass hier und den Perso habe ich als verloren gemeldet“. Sie schüttelt den Kopf und verneint: „Nein, Sie haben die Ausweise laut Computer nie abgeholt“. Ich schaue nun noch verwirrter und entgegne etwas ratlos: „Aber ich war doch schon in den USA und im Baltikum mit dem Reisepass. Da sind doch Stempel drin“. Sie bleibt ganz ruhig, guckt mich fast mitleidvoll an und erwidert: „Da haben sie aber Glück gehabt, dass das gut gegangen ist, Sie waren ja eigentlich illegal. Ich setze den Haken hier jetzt mal auf „erhalten“. Vielleicht ist das vergessen worden. Und den Perso, haben Sie den auch?“ „Nein, den habe ich doch als verloren gemeldet und mit dem vorgesehenen Formular hier eingereicht“, wiederhole ich. Sie schaut wieder souverän auf den Bildschirm und vermeldet ganz großzügig: „Dann setze ich den Perso hier mal auf verloren, damit Sie beim Abholen keine Probleme bekommen, wenn sie den nicht mitbringen“. Ich fühle mich immer mehr dem System ausgeliefert und sage noch vorsichtig: „Aber ich hatte den Personalausweis doch schon als verloren gemeldet.“ Woraufhin die Dame nun ganz trocken schließt: „Ja, das steht jetzt hier auch.“ Ich beschließe, dass weitere Diskussionen wohl zu nichts führen werden und warte gespannt, wie es beim Abholen wird. Dann empfiehlt die Kundenzentrums-Mitarbeitende noch, ich solle warten, bis ich beide Benachrichtigungen vom Amt erhalten habe, damit ich beide Ausweise gleichzeitig abholen könne. Die beiden „alten“ Ausweise müsse ich natürlich mitbringen. Ich ahne also, dass es spannend bleibt.